Das Paradoxon des Kreuzes für einen LGBT+-Christen
Text von Ish Ruiz*, veröffentlicht am 14. September 2025 auf New Ways Ministry (USA). Frei übersetzt von den Freiwilligen des Gionata-Projekts.
Ich bin in Puerto Rico aufgewachsen, queer und katholisch, und es war nicht einfach.
Als ich merkte, dass ich mich zu anderen Männern hingezogen fühlte, begann eine tiefe Krise in mir.
Alles, was ich in der Kirche und in der Schule gelernt hatte, zeigte mir, dass meine queere Identität ein Kreuz war, das ich zu tragen hatte. Ich dachte, meine Aufgabe sei es, unter diesem Teil von mir zu leiden und dabei zu versuchen, Jesus so gut ich konnte nachzufolgen. Ich habe jahrelang wirklich daran geglaubt, dass dies der Fall ist.
Aber mit der Zeit wurde mir klar, dass ich falsch lag. Queer zu sein war nicht mein Ärgernis. Das Kreuz war ein anderes. Ich habe es nach und nach entdeckt: durch Therapie, spirituelle Begleitung, aber auch durch das Tanzen bis spät in die Nacht in Schwulenbars, wo mir die Freiheit des Körpers das Lebensgefühl zurückgab. Mir wurde klar, dass die wahre Last, die ich trug, die Intoleranz war, der ich um mich herum begegnete.
Das Kreuz war der Ausschluss, der durch starre Theologien und veraltete Lehren hervorgerufen wurde. Das Kreuz war der Rassismus, den ich selbst in bestimmten queeren Räumen erlebte, da ich Puerto Ricanerin und dunkelhäutig war. Der Knackpunkt waren die Versuche, mich dafür zu schämen, ob explizit oder subtil, wer ich war. Das war das Leid, das ich trug. Das ist mein Kreuz.
E poi ho scoperto qualcosa che mi ha cambiato la vita: la mia queerness non era un castigo, ma un dono. Un dono di Gesù. È stata proprio la mia identità queer a darmi la forza di sopportare quelle croci. Mi ha insegnato la resilienza, mi ha donato creatività, gioia, immaginazione, e la possibilità di legarmi ad altre persone messe ai margini.
Mi ha insegnato a restare solidale con chi porta pesi ancora più grandi dei miei. Lontano dall’essere una maledizione, questo dono è diventato vita, una lente attraverso cui potevo vedere Gesù più chiaramente.
La festa dell’Esaltazione della Santa Croce ci porta proprio lì, dentro questo paradosso. Lo strumento di tortura e umiliazione diventa segno di vittoria e di amore. Nella prima lettura, il popolo si lamenta nel deserto e viene morso dai serpenti. Dio dice a Mosè di innalzare un serpente di bronzo: chi lo guarda vivrà.
Un racconto che ci appare quasi strano, eppure anticipa la Croce. Nel Vangelo di Giovanni, Gesù stesso riprende il simbolo: «Come Mosè innalzò il serpente nel deserto, così bisogna che sia innalzato il Figlio dell’uomo, perché chiunque crede in lui abbia la vita eterna». Ciò che porta la morte diventa, innalzato, strumento di guarigione. E ciò che doveva umiliare Gesù diventa fonte di salvezza.
Questa logica paradossale la conosciamo bene, noi persone queer. Ci è stato detto troppe volte che la nostra identità è vergogna, maledizione, peccato. E spesso abbiamo finito per crederci.
Aber wenn wir lernen, uns selbst als von Gott geliebte Söhne und Töchter anzunehmen, dann wird unser Leben zu einem Zeichen der Gnade. Wenn wir unsere seltsame Freude steigern, wird genau das, was andere abgelehnt haben, zu einer Quelle der Heilung und eines Geschenks für die Welt.
Der heilige Paulus sagt es mit Worten, die mich zutiefst berühren: Christus hat sich entäußert, obwohl er sich im Zustand Gottes befand, wurde zum Diener und erniedrigte sich bis zum Tod und zum Tod am Kreuz.
Sein Leben zeigt uns, wie wir unsere Menschlichkeit in vollem Umfang leben, uns darüber freuen können, wer wir sind, und auch im Angesicht des Todes standhaft in der Liebe bleiben, bis wir zu einem neuen Leben wiedergeboren werden.
Deshalb kann ich heute sagen: Jesus ist queer. Ich weiß nicht, ob es im sexuellen oder identitätsbezogenen Sinne war, und vielleicht werden wir es nie erfahren. Aber er war es sicherlich im wahrsten Sinne des Wortes: Er lebte außerhalb der Norm, er wurde von den religiösen Autoritäten seiner Zeit missverstanden, ausgeschlossen, an den Rand gedrängt.
Er stellte die unterdrückende Logik von Macht und Reinheit in Frage und zeigte uns, dass Gottes Liebe sich nicht den menschlichen Kriterien der Seriosität beugt. Zu sagen, dass Jesus queer ist, bedeutet anzuerkennen, dass er weiß, was es bedeutet, am Rande zu leben, und dass er weiß, wie er diese Marginalität in Gnade und Erlösung umwandeln kann.
Hier liegt die Hoffnung des Kreuzes: Leiden nicht zu verherrlichen, sondern es als das zu bezeichnen, was es ist – ungerecht, grausam, das Ergebnis zermalmender Systeme.
Das Kreuz erinnert uns daran, dass das Leiden nicht das letzte Wort ist. Das letzte Wort ist die Auferstehung. Es ist das Leben. Es ist Liebe. Das Kreuz zu erhöhen bedeutet zu verkünden, dass Gott in der Lage ist, auch dies in neue Möglichkeiten zu verwandeln.
Und für mich bedeutet dies eine einfache Gewissheit: Meine Seltsamkeit ist nicht die Ursache meines Leidens. Vielmehr ist es die Gabe des Geistes, die es mir ermöglicht, den Wunden der Ausgrenzung, des Rassismus und der Schande zu widerstehen und sie zu verwandeln.
Meine Seltsamkeit verbindet mich mit dem Geheimnis des Kreuzes, wo Gottes Liebe auf menschlichen Schmerz trifft und Wege eröffnet, die ich mir vorher nie hätte vorstellen können.
*Ish Ruiz ist Assistenzprofessorin für dekoloniale Queer- und Latinx-Theologie an der Pacific School of Religion in Berkeley, Kalifornien. Er ist Autor von LGBTQ+ Educators in Catholic Schools: Embracing Synodality, Inclusivity, and Justice und Mitherausgeber von Cornerstones: Sacred Stories of LGBTQ+ Employees in Catholic Institutions.
Originaltext: Das Paradoxon des Kreuzes und die Seltsamkeit Jesu

